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Report by Doris Krause and Marc Nicolai.

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Kairo – Baharia (Weiße Wüste) – Kairo – Sinai – Hurghada/El Gouna

Bevor ich den Reisebericht beginne, möchte ich auf eine Besonderheit hinweisen. Nach der Fertigstellung des ersten Entwurfs hat mein Mann den Bericht gelesen und kommentiert. Da wir der Meinung waren, dass der Text durch seine Sicht der Dinge noch lebendiger wird, habenwir den Bericht entsprechend ergänzt. Die Kommentare und Ergänzungen sind kursiv geschrieben. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Im März 2005 war es wieder soweit. Meine zweite Ägyptenreise sollte starten. Da mein Mann Marc im letzten Jahr aus beruflichen Gründen verhindert war, sind wir zunächst (wieder) nachKairo geflogen. Am Flughafen wurden wir sofort von Martin in Empfang genommen undhatten sehr schnell die Einreiseformalitäten erledigt. An dieser Stelle möchte ich herausstellen,dass Egypt For All wirklich einen perfekten Service bietet. Bereits vor der Zollschrankewartete, wie per E-Mail vorher verabredet, ein Mitarbeiter auf uns, um die erforderlichen Visa zu organisieren und das entsprechende Trinkgeld an die richtigen Stellen zu leiten. Durch unseren ägyptischen Begleiter wurden wir auch bei der Passkontrolle bevorzugt behandelt. Ich habe es still genossen, da ich zum einen froh über den zügigen Ablauf war und zum anderen interessiert das Gesamtgeschehen verfolgen konnte.

Die erste Unsicherheit ergriff mich, als wir Martin und einen seiner Mitarbeiter bei der Kofferausgabe begrüßt hatten. Unsere Koffer hatten wir sehr schnell erhalten und wollten den Flughafen jetzt Richtung Parkplatz verlassen, wo ein Kleinbus mit Fahrer auf uns wartete. Da sich Martin um meine Frau Doris kümmerte und Martins Mitarbeiter um unsere Koffer, blieb mir die Rolle des „VIPs“, die ich jedoch nicht richtig genießen konnte. Bisher war es bei Reisen immer meine Aufgabe, die Organisation am Flughafen zu übernehmen. Dies war augenscheinlich nicht erforderlich. Außerdem wunderte ich mich darüber, mit welcher Selbstverständlichkeit Doris sich in ihrem Rollstuhl schieben ließ. Ich war es gewohnt, dass sie sich nur in Ausnahmefällen, wenn es wirklich nicht mehr anders geht, auf fremde Hilfe einlässt. Und dann auch nur, wenn sie die Anweisungen gibt. So folgte ich dem kleinen Konvoi Richtung Parkplatz und musste mich dabei sputen, um mit der Geschwindigkeit Schritt halten zu können (wie ich später von Martin erfuhr, vertritt er die Auffassung, dass der Kraftaufwand durch das zügige Gehen beim Rollstuhlschieben reduziert wird). Da ich von der Reise etwas müde war, beschloss ich, mir keine weiteren Gedanken zu machen. Ich freute mich auf ein schönes Hotel und auf angenehme Tage in Kairo.

Die Pyramiden, das Ägyptische Museum und der Khan el Khalili Bazar waren auf jeden Fall einen zweiten Besuch wert. Außerdem war es sehr schön, Martin und Nassrin – unsere Führerin vom letzten Jahr – in Kairo wiederzusehen. Durch ihre Ausführungen und Erzählungen zu den Sehenswürdigkeiten bekommt man einfach einen anderen Zugang zu der Geschichte und auch der Gegenwart des Landes. Eigentlich sind Museumsbesuche nicht meine Sache, doch durch Nassrins lebendige Erzählungen und gezielte Auswahl der Exponate wird der Besuch im Ägyptischen Museum für mich immer unvergesslich bleiben. Mittlerweile hatte ich mich auch an das Heer unserer Begleiter gewöhnt. In Kairo waren wir meistens zu fünft unterwegs,

obwohl ich eigentlich mit Doris allein auf Reisen war. So hat Nassrin als Ägyptologin uns die Geschichte und Kultur des Landes näher gebracht, ein Mitarbeiter von Egypt For All war für die Mobilität meiner Frau verantwortlich und ein Fahrer hat uns bequem und sicher im Kleinbus zu jeder Kultstätte chauffiert.

Nach 3 Tagen in Kairo sind wir dann nach Baharia gefahren. Der Faszination Wüste waren wir auch dieses Jahr wieder voll erlegen. Nachdem mir Baharia, Akabat und die Weiße Wüste letztes Jahr so gut gefallen haben, wollte ich diese magischen Orte unbedingt noch einmal mit Marc sehen. Leider war es nachts noch empfindlich kalt, so dass wir von einer Übernachtung unter freiem Himmel abgesehen und das Camp vorgezogen haben. Dies gab uns auch dieses Jahr wieder die Möglichkeit, abends im Camp am Feuer zu sitzen und der Live-Musik der Beduinen zu lauschen. Außerdem war es wiederschön, auf dem „Marktplatz“ in Baharia Tee zu trinken und alte Bekannte zu treffen (siehe auch Reisebericht aus dem letzten Jahr).

Neben der Einzigartigkeit der Wüste hat mich vor allem die Offenheit und Freundlichkeit der Oasenbewohner beeindruckt. Nach meinen Maßstäben führen diese Menschen ein einfaches und hartes Leben. Dabei strahlen sie eine Ruhe und Lebensfreude aus, die einem offensiv ins Gesicht schlägt. Ich fühlte mich an ein Zitat von Plutarch erinnert: „Ein heiteres und angenehmesLeben kommt nicht von äußeren Dingen. Der Mensch bringt aus seinem Inneren wie aus einer Quelle Lust und Freude in sein Leben.“ Dazu kommt dann noch ein absolut ansteckender Humor. Die Menschen, die wir kennen gelernt haben, haben viel gelacht und sichdabei meistens über sich selbst amüsiert. Obwohl Doris und ich leider kein Arabisch sprechen, war es doch möglich, eine Beziehung zu den Menschen aufzubauen. Dieses gelang insbesondere dadurch, dass wir unsere ganze Reise zusammen mit Martin unternommen haben. Seine Freunde und Bekannte, die wir auf der Reise getroffen haben, sind uns jederzeit offen gegenübergetreten. Solche Privilegien erfährt man meines Erachtens nur, wenn man das Glück hat, Menschen zu treffen, die einem ihr Land mit viel Freude und Stolz näher bringen.

Marc und ich hatten schon zuhause geplant, den Sinai zu bereisen und unser Ziel war es, den Mosesberg (2.285 m) zu erklimmen. Wir wussten vor der Reise noch gar nicht, was wir uns für ein irrsinniges Ziel gesetzt hatten. Der Berg trägt diesen Namen, weil hier Moses die Zehn Gebote empfangen haben soll. Wie wir den Aufstieg genau realisieren wollten, war uns allerdings nicht ganz klar. Naiverweise haben wir angenommen, wir setzen uns auf ein Kamel und das wird uns dann schon nach oben bringen. Im Reiseführer konnten wir lesen, dass nur das letzte Teilstück des Berges nicht mit dem Kamel zu besteigen ist. In meinem Kopf schwirrten bereits die ersten technischen Lösungen für eine Tragemöglichkeit für Doris umher. Martin und Sherif waren sich offensichtlich zunächst auch nicht ganz sicher, ob und wie dieses Unterfangen für Gehbehinderte wie mich machbar sein sollte. Nach einer Lagebesprechung an der Hotelbar in Kairo haben Martin, Marc und ich aber beschlossen, eine Lösung zu finden! Man wächst ja bekanntlich mit den Herausforderungen ... Die Lagebesprechung an der Hotelbar nutzten Martin und ich wechselseitig, um uns gegenseitig kennen zu lernen und auszutesten. Mittlerweile hatte ich im Reiseführer alles über die Besteigung des Mosesberges gelesen und konnte deshalb ausschließen, dass es eine Rollirampe zum Gipfel geben würde. Ich stellte mir die Frage, ob ich bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt auch nur eine Rampe in Ägypten gesehen hatte. Wie dem auch sei, im Laufe des Abends stellte sich bei mir das Gefühl ein, dass Martin seine Aufgabe bei Egypt For All sehr ernst nimmt und, bei aller Begeisterungsfähigkeitfür die Besteigung des Mosesberges, Doris keinem unkalkulierbaren Risiko aussetzen würde. Von da ab war das Thema, ob wir den Berg besteigen würden, abgehakt. Mit großerFreude und viel Energie machten wir uns Gedanken über das WIE. Dabei hatte Martin bereits eine Lösung im Kopf, die wir später dann auch umgesetzt haben.

Die Fußgängergruppen starten auf etwa 1.570 m am Katharinenkloster und brauchen dann ca. 3 Stunden für den Aufstieg auf den Gipfel. Wir wollten so lange wie möglich auf dem Kamel reiten. Die letzten Höhenmeter sollte ich dann getragen werden. Martin hatte sich schon in Kairo eine Konstruktion überlegt; er wollte die Räder vom Rolli abnehmen und stattdessen zwei gebogene Stangen anbringen, so dass man mich in einer Art Sänfte den Berg hoch tragen konnte.

 Die Rohre hatte Martin in einer kleinen Werkstatt in Kairo anfertigen lassen. Um den Kraftaufwand beim Tragen möglichst gering zu halten, hatte er sich eine ergonomische Formder Rohre überlegt. Da der Mechaniker immer unglaubwürdiger dreinschaute, als Martin ihm von dem Verwendungszweck der Rohre erzählte, hat er kurzerhand die Biegevorrichtung selbst betätigt und die Rohre in die gewünschte Form gebracht. Diese Rohre waren nun Bestandteil unseres Gepäcks auf dem Weg zum Sinai. Da Martin seinen privaten PKW von Kairo mitnehmen wollte, sind wir mit einem Kleinbus und seinem PKW gefahren. Bereits morgens verzögerte sich unsere Abreise, da ich mittlerweile das ägyptische Zeitverständnis angenommen hatte (gilt nicht für Egypt For All). Außerdemsollten wir noch Hotelvouchers geliefert bekommen, die noch nicht angekommen waren. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde unserer Fahrer ein bisschen nervös, da er sonderbarerweise als Ägypter Pünktlichkeit liebte. Ich glaube, er hat es nicht leicht in seinem Land.

Mit etwas Verspätung konnten wir dann vom Hotel aus Richtung Ostkairo starten. Dort wollten wir uns mit Martin treffen. Nachdem der unglaubliche Verkehr Kairos die Ausgeglichenheit unseres Fahrers weiter malträtierte, hielten wir im Osten Kairos mitten auf der Autobahn unter einer Brücke an. Jetzt erstaunte mich die Lockerheit unseres Fahrers. Offensichtlich war dieser Standort der verabredete Treffpunkt mit Martin. Ich musste schmunzeln, denn in Deutschland würde wohl niemand auf die Idee kommen, sich unter einer Autobahnbrücke zu verabreden. Martin ist dann kurze Zeit später auch eingetroffen. Nach einer herzlichen Begrüßung mitten auf der Autobahn im dichtesten Verkehr Kairos haben wir unsere Reise vergnügt fortgesetzt. Da auch Martin sich etwas verspätet hatte, war das Vergnügen an der Reise allerdings ein bisschen einseitig. Unser Fahrer hatte mit der Ausgeglichenheit noch einen kleinen Kampf zu bestreiten. Leider sollte sich herausstellen, dass noch weitere Herausforderungen auf ihn warteten. Als wir Kairo hinter uns gelassen haben, wurden wir aufgrund zu hoher Geschwindigkeit (?!) von der Polizei angehalten. Leider hat die beste Verhandlungskunst unsere Situation nicht verbessert. Die Schwere des Gesetzes hatte mit voller Wucht erneut unseren Fahrer getroffen. Das war einfach nicht sein Tag! Der Führerschein wurde eingezogen und konnte gegen das entsprechende Entgelt in einer Woche in Kairo ausgelöst werden. Ersatzweise wurde ihm eine Fahrerlaubnis handschriftlich auf einem losen Zettel ausgestellt. Es stellte sich später heraus, dass dieser Wisch tatsächlich als Führerscheinersatz ausreichte. Die Bürokratie in Ägypten scheint in dieser Hinsicht sehr flexibel zu sein. Per Telefon versuchte Martin später die Polizisten noch milde zu stimmen. Was er erreichen konnte ist uns nicht bekannt. Durch Martins Intervention besserte sich jedenfalls die Stimmung unseres Fahrers.

Gut gelaunt bewegten wir uns auf den Tunnel des Suez-Kanals zu, der die Grenze zwischen Afrika und dem Sinai/Asien bildet. Natürlich darf der Tunnel nicht gebührenfrei durchfahren werden. In ca. 1000 m Entfernung vor dem Tunneleingang befindet sich die Mautstelle. Unser Fahrer bezahlte die Gebühr und steuerte dann locker auf den Tunnel zu. Allerdings befindet sich direkt vor dem Tunnel ein weiterer Kontrollpunkt. Und zack! Erneut wurden wir gebeten, anzuhalten und zur Mautstelle zurückzufahren. Wie sich herausstellte, war der Geldschein, mit dem unser Fahrer bezahlt hatte, gefälscht. Dieses schien allerdings wieder keine große Sache zu sein, denn wir haben einfach den Schein zurückgenommen und mit einem anderen bezahlt. Der war glücklicherweise echt. Zu diesem Zeitpunkt entspannte sich dann auch unser Fahrer vollends. Was sollte auch noch passieren?

Nach einer längeren Autofahrt von Kairo nach St. Catherine sind wir abends in unserem Hotel angekommen. Der erste Eindruck von der Berglandschaft des Sinai war schon sehr beeindruckend und bestärkte uns nur in unserem Bestreben. Allerdings hatten wir auch ziemlichen Respekt vor der Höhe (zumal wir die norddeutsche Tiefebene gewöhnt sind). Neben dem Hotel hatten Beduinen ein Zelt aufgeschlagen, wo sie verschiedene Artikel für die Touristen verkauften.

Wir haben uns zu ihnen ans Feuer gesetzt, Tee getrunken und dann hat Martin erklärt, was wir vorhaben und dass wir vier Kamele – je eines für uns und eines für den Rolli! –und drei oder vier Träger bräuchten. Die Männer waren recht schnell überzeugt und sahen keine großen Probleme. Die meisten gehen jede Nacht als Führer den Berg hinauf. Dennoch bewunderten wir sie für ihre Leichtigkeit und ihren Mut, so ein Unternehmen zu starten. Was hätte es wohl in Deutschland für Diskussionen und Zweifel gegeben?! Sie schlugen sogar vor, gleich in derselben Nacht den Mosesberg zu besteigen, da es an dem Abend nicht so voll sein würde. Das war uns insbesondere nach der langen Fahrt dann doch zu schnell. Außerdem musste der Rolli noch bergtauglich umgerüstet werden. Gewundert hat mich die Selbstverständlichkeit, mit der die Beduinen diese Aufgabe angenommen haben. Fast hatte ich den Eindruck, als würden sie jeden Tag einen Rollifahrer den Mosesberg hinaufbringen. Mit uns zusammen saß noch ein australisches Ehepaar am Feuer. Die Australier waren verblüfft, dass wir der Verhandlung, die Martin führte, so aufmerksam folgten. Erstaunt fragten sie uns, ob wir Arabisch sprechen würden. Leider mussten wir dieses verneinen. Als wir ihnen erklärten, dass das Verhandlungsergebnis für uns sehr wichtig sei, weil die Beduinen Doris auf den Mosesberg tragen sollten, waren sie noch erstaunter. Sie fragten uns erneut, ob sie alles richtig verstanden hätten. Der Irrsinn nahm seinen Lauf...

 Am nächsten Morgen besuchten wir als erstes das Katharinenkloster. Das Kloster wurde zwischen 548 und 565 n. Chr. gegründet und liegt am Fuße des Mosesberges. Auf dem Platz des Klosters steht u.a. der Brennende Dornbusch. Der Legende nach erschien Gott Moses in einem brennenden Dornbusch und verlangte, dass Moses sein Volk aus Ägypten in das Land Kanaa (heutiges Palästina) führen solle. Das orthodoxe Kloster ist darüber hinaus berühmt für seine Ikonensammlung. Es ist durchaus ein besonderer und sehenswerter Ort, allerdings wird das Kloster von sehr vielen Touristen besucht, so dass man kaum die besondere Stimmung in sich aufnehmen kann. Etwa in einem Kilometer Entfernung befindet sich das „Goldene Kalb“. Das Goldene Kalb ist ein Felsrelief in einem Sandsteinfelsen. Das Relief ist ca. 10 Meter lang und deswegen leicht zu erkennen.Ein großer Felsstein am Wegesrand weist auf das Goldene Kalb hin. Unser Fahrer, der uns mittlerweile sehr ans Herz gewachsen war (und wir ihm offensichtlich auch), hatte schon des öfteren Besucher genau an dieser Stelle aussteigen und das Goldene Kalb betrachten lassen.

Deswegen war es um so erstaunlicher, dass er dieses Mal freudig wie ein kleines Kind auf das Relief zeigte und immer wiederholte „das Goldene Kalb, da zeichnet sich wirklich ein goldenes Kalb im Felsen ab“. Wir freuten uns mit ihm, konnten allerdings die Überschwänglichkeit seiner Freude nicht ganz nachvollziehen. Ich musste dann unbedingt noch ein paar Photos von ihm und dem Kalb machen, damit er einen Beweis hatte. Wie sich später herausstellte, hatte er zwar des öfteren Besucher zum Goldenen Kalb gefahren, selbst aber niemals das Kalb im Felsen erkennen können. Das hatte sich offensichtlich geändert.

Nachmittags haben wir dann den Rolli umgerüstet. Martin hatte alle möglichen Werkzeuge, Bänder, Schrauben etc. für jegliche Eventualitäten dabei und war somit perfekt ausgerüstet. Die besagten Stangen hatte er schon in Kairo biegen lassen. Sie wurden nun noch mit Gummigriffen versehen, damit die Träger besseren Halt hatten.

Die Dramaturgie der Situation nahm langsam zu. Die Sänfte meiner Frau war konstruiert und vermittelte einen stabilen und sicheren Eindruck. Ich war mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr sicher, ob wir im eigenen Aktionismus gefangen waren, oder ob wir einfach nur eine verrückte Aktion planten. An Umkehr war aber nicht mehr zu denken.

Danach sind wir noch zu den Blauen Bergen gefahren. Der Belgier Jean Verame hat die Felsen 1980 als Symbol des Friedens blau angemalt. Hört sich etwas skurril an, ist aber sehr sehenswert. Der Kontrast zu den rötlich scheinenden Felsen und dem Sand ist wunderschön. Kurz nach Mitternacht sollte es nun losgehen. Wir wollten mit dem Aufstieg sehr früh beginnen, um einen ausreichenden Zeitpuffer zu haben. Als wir zum Kloster gefahren sind, stieg meine Anspannung dann doch merklich an. Unsere Träger organisierten die Kamele und dann startete unsere kleine Karawane. Langsam schaukelten wir durch die fast dunkle Nacht. Über uns funkelten nur die Sterne. Die Kamele hatten die Angewohnheit, sehr weit am Abgrund zu gehen, was uns Reiter leicht nervös machte. Auf der anderen Seite dachte ich wiederum, die werden schon wissen, was und warum sie es tun. Beim Abstieg haben dann auch wir den Grund erkennen können: sie sind den Steinen auf dem Weg ausgewichen, um besseren Tritt zu haben. Den Kamelritt habe ich absolut genossen, wenngleich es trotz meiner zahlreichen

Kleidungsstücke empfindlich kalt war. Ich habe mich immer gewundert, warum die Beduinen in einer Art Schneidersitz auf dem Kamel sitzen. Seit dieser Nacht weiß ich es! Nach knapp 2 Stunden waren wir an dem Punkt angekommen, ab dem wir zu Fuß bzw. ich in meiner Sänfte weiter mussten. Ich habe den Zeitpunkt des Verlassens des Kamels herbeigesehnt. Unsere Träger warteten schon auf uns. Sie sind offensichtlich so geübt, dass sie den Weg leichtfüßig wie Bergziegen bewältigen. Ich wurde in dem Rolli angeschnallt und dann sollte es losgehen.

Wir sahen so gut wie nichts! Es war stockdunkel. Marc hatte die Aufgabe, uns den Weg zu leuchten, voran zu gehen und das Gepäck nach oben zu bringen. Martin und die Beduinen haben die Sänfte getragen. Eigentlich war geplant, dass ich mit dem Blick nach vorne im Rolli sitzen sollte. Aufgrund des Schwerpunktes des Rollis wurde diese Lösung aber als untauglich verworfen, so dass ich rückwärts getragen wurde und selbstverständlich nicht sehen konnte, was vor mir lag! Bei allem Vertrauen, welches ich in „meine Männer“ setzte – das war mir doch etwas unheimlich. Als dann der erste nach 10 m leicht stolperte und man kurz darauf einen Stein, der sich gelöst hatte, in die Tiefe fallen hörte, habe ich gedacht, wir wären allesamt verrückt. Wir waren verrückt, allerdings schützte uns die Dunkelheit vor der klaren Erkenntnis.

 Außerdem hatte ich ein schlechtes Gewissen. Es ist ja eine Sache, sich selbst etwas zu beweisen, aber eine andere, Dritte auch noch in Gefahr zu bringen. Nun, verständlicherweise mussten wir alle paar Meter, wo irgendwo eine ausreichend ebene Fläche war, eine Pause einlegen. Die Jungs teilten meine Zweifel allerdings keineswegs oder zeigten es zumindest nicht im geringsten. Mir ging es ähnlich wie Doris. Ich hatte mit Martin abgesprochen, dass wir uns beim Tragen abwechseln könnten. Nun sah ich mich zunächst in die Rolle des Scouts gedrängt. Die anfänglichen Schwierigkeiten ließen mich ein bisschen zweifeln. Außerdem hatte ich das Gefühl, der einzige zu sein, der die Aktion noch stoppen konnte. Martin koordinierte die Beduinen, sortierte die jeweiligen Trägerpaare solange um, bis sie perfekt zueinander passten und schien absolut auf die Aufgabe und das Ziel konzentriert und fixiert zu sein. Doris saß in ihrer Sänfte, klammerte sich an dem Rahmen des Rollis fest und verfiel in tiefes Schweigen. Genau dieses Schweigen galt es zu deuten. Es ist bei ihr das Zeichen von „Grenzwertigkeit“. Also versuchte ich, weiter genau zu beobachten und die Situation einzuschätzen.

Die Beduinen wirkten absolut gelöst. Es galt den Rolli zu tragen – und sie trugen ihn! Außerdem meinte Martin, es würden nun flachere Teilstücke kommen ... Natürlich gingen wir weiter. Die flachen Teilstücke müssen wir umgangen haben. Ich wollte auch nicht auf halber Strecke aufgeben, aber etwas mulmig war mir teilweise schon. Nach einer gewissen Zeit wurde ich ruhiger. Der Aufstieg zu Fuß/Sänfte dauerte wohl ca. noch eine Stunde. Die meisten Fußgänger hatten selbst Probleme, den Berg zu erklimmen.

 Als wir dann das Plateau unter dem Gipfel erreicht hatten, Martin den Egypt For All-Aufkleber als Beweis in der Berghütte angebracht hatte und wir einen heißen Tee genossen, durchströmte mich ein Gefühl der Erleichterung und des Glücks. Dieses Glücksgefühl wurde dann noch einmal extrem gesteigert, als wir den Sonnenaufgang über den Bergen sahen. Es war einfach gigantisch! Wir genossen die wärmenden Sonnenstrahlen in dieser atemberaubenden berauschenden Kulisse und ein unglaubliches Gefühl der Gemeinschaft. Wir sechs hatten es geschafft! Die meisten anderen Besucher begannen recht schnell den Abstieg. Wir feierten uns selbst und nahmen als letzte ebenfalls den Abstieg in Angriff. Nach dem Zeitpunkt der Gipfelstürmung erfüllte uns eine absolute Leichtigkeit. Wir hatten es geschafft! Und der anbrechende Tag brachte zum Vorschein, was wir erreicht hatten. Ein Gefühl von tiefer Verbundenheit stellte sich ein.

 Als wir nun den Weg im Sonnenlicht sahen, schüttelten wir erst recht den Kopf. Es war schon sehr, sehr steil. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir den Mosesberg vielleicht gar nicht bestiegen. Wir hätten es nicht  getan. Wenn überhaupt, dann auf jeden Fall nicht im Dunkeln. Nun waren wir aber alle voller Adrenalin und bester Stimmung, dass der Abstieg sehr lustig wurde. Scheinbar mühelos wurde ich den Berg hinunter getragen. Im wahrsten Sinne des Wortes eng wurde es noch einmal, als ein paar Esel, beladen mit Vorräten für die Berghütte, uns entgegen kamen. Der Weg ist definitiv nicht breit genug für einen Rolli und einen Esel! Youssef lenkte die Esel kurzerhand über das Geröll neben der Felsentreppe um, was ein wütendes Geschrei der Beduinenfrau, der die Esel gehörten, zur Folge hatte. Wir dagegen hatten viel Spaß. Die Kamelführer warteten mit ihren Tieren wieder unten, um uns das letzte Stück des Berges herunterzubringen. Der Ritt war diesmal etwas anstrengender, weil man sich gegen die Höcker des Sattels stemmen muss, um nicht vorne über zu fallen. Marc und Martin hatten offensichtlich nicht den richtigen Sitz gefunden und zogen es vor, zu Fuß zu laufen! Als wir die Station mit den Kamelen erreichten, wurde mein Glücksgefühl kurzfristig getrübt. Es stand ja noch der Höllenritt zum Katharinenkloster bevor. Allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, dass das Bergabreiten noch unerträglicher ist als das Bergaufreiten. Den Beweis dafür habe ich mir noch geben lassen. Nach fünf Minuten bin ich dann jedoch abgestiegen und habe den Rest des Weges ganz entspannt zu Fuß zurückgelegt. Da der steinige Untergrund auch für Kamele nicht ganz leicht zu beschreiten ist, kommt man zu Fuß schneller voran. Nach kurzer Zeit holte ich Martin auf seinem Kamel sitzend ein. Verwundert fragte er mich, was denn mit meinem Kamel sei. Ich teilte ihm mit, dass mit dem Kamel alles in Ordnung sei. Ich persönlich fände es einfach entspannter und gesünder, zu Fuß zu laufen. Es dauerte ungefähr zehn Minuten, bis mich Martin wieder eingeholt hatte. Er ging zu Fuß und wir mussten beide nur lachen. Ich konnte mir über solche Dinge natürlich keine Gedanken machen, denn laufen wollte bzw. konnte ich diese Strecke sowieso nicht. Nach einer gewissen Zeit hatte ich aber auch eine entspannende Position gefunden und konnte auch diesen Ritt genießen. Da mein Kamel das Letzte war, war ich mit meinem Führer alleine in der fabelhaften Natur. Über mir gab es einen gigantisch blauen Himmel, gegen den sich die Berge abzeichneten; es war absolut still. So sollte der Tag öfter beginnen!

Das Rolli-Kamel hat übrigens doch teilweise für Verwirrung und Belustigung bei den anderen Touristen gesorgt! Ein Beduine erklärte einem Amerikaner, dass er mit dem Kamel bis zur letzten Station vor dem Berggipfel reiten könnte. In diesem Augenblick passierte gerade unsere kleine Karawane. Das Ende der Karawane bildete das Kamel mit der „Sänfte“. Der Beduine erklärte also am lebenden Beispiel: „Dies sind die Kamele, auf denen sie reiten können. Und hier ist ein Kamel mit einem Rollstuhl“. – PAUSE – „Mit einem ROLLSTUHL?! What the hell is a wheel chair doing on Mount Sinai?”

Nach einem stärkenden Frühstück hieß es dann leider Abschiednehmen. Weiter ging die Fahrt nach Dahab, wo wir die nächsten 3 Tage mit Schnorcheln und Ausspannen verbrachten. Dieser Badeort hat Marc und mir besonders gut gefallen. Es gibt zwar auch größere Hotels, aber daneben immer noch einige Camps für die zahlreichen Taucher und Surfer. Dementsprechend zeichnet Dahab sich durch eine sehr sorglose Atmosphäre aus, bietet eine schöne Promenade mit zahlreichen Cafées, Restaurants und Geschäften und wunderschöne Strände mit den rotenBergen des Sinai im Hintergrund. Auch hier hatten wir wieder viel Glück, weil Martin einen Freund getroffen hatte, der als Tauchlehrer arbeitet. Dieser nahm uns nun zu den Tauch- bzw. Schnorchelplätzen mit und zeigte uns Dahab.

Mit der Überfahrt von Sharm-el-Sheikh nach Hurghada per Fähre begann der dritte Teil unserer Reise: Eine Woche Bade- und Surfurlaub in El Gouna bzw. Hurghada. Den Tag verbrachten wir in der Regel am Strand in unserem absolut rollitauglichen Hotel in El Gouna oder aufdem Wasser. In den Nächten waren wir dagegen häufiger in Hurghada in einer der Papas Bars anzutreffen und genossen das Nachtleben. Außerdem verbrachten wir noch einen Tag auf demBoot mit einigen anderen Egypt For All-Gästen und der Egypt For All-Crew, genossen das Meer, den Sonnenuntergang und das Barbecue an Bord. Es war traumhaft. Darüber hinaus wollten Marc und ich noch einen Tag Schnuppertauchen. Nach einer umfangreichen Einweisung fuhren wir am darauffolgenden Tag mit dem Boot aufs Meer. In das Wasser und auf das Boot zu kommen, hat wunderbar geklappt und die Tauchlehrerin hat alles sehr nett und perfekt erklärt. Leider habe ich aufgrund einer Erkältung den Druckausgleich nicht hinbekommen. Schade, aber das werde ich beim nächsten Mal auf alle Fälle noch einmal versuchen.

Wie ihr dem Bericht sicherlich entnehmen könnt, haben wir einen einzigartigen, erlebnisreichen, beeindruckenden und lustigen Urlaub verlebt. Die Organisation von Egypt For All war von vorn bis hinten perfekt. Die Jungs haben sich mehr Gedanken gemacht, als wir es meistens vor einem Urlaub tun. Dementsprechend gab es im Urlaub auch Situationen, die wir für uns bisher immer als Hindernis oder Grenze gedeutet haben. Egypt For All hat uns in solchen Situationen spielerisch gezeigt, dass wir Grenzen sehen, wo gar keine sind. Aus dieser Erfahrung habe ich viel gelernt und bin dafür sehr dankbar. Im Moment schließen Doris und ich den verlebten Urlaub mit dem Schreiben des Berichts ab. Wir genießen die Erinnerungen, wollen uns aber auch der „Altlasten“ entledigen, um den nächsten Ägyptenurlaub für den Herbst planen zu können.

Marc und ich haben in den knapp 3 Wochen einen wunderbar unbeschwerten Urlaub genossen, in dem wir viele neue Eindrücke gewonnen haben. Ganz besonders ist uns die Herzlichkeit und der Humor der Menschen aufgefallen, mit denen wir zusammengetroffen sind. So schön, dass wir Lust auf mehr haben. Ein ganz herzlicher Dank geht an die Egypt For All-Crew, die uns dieses ermöglicht hat.

Ma’asalama

Doris + Marc

     

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Updated: 17 Jun 2007
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